"Es ist nicht nur Putin!"

14. April 2022

Der Krieg in der Ukraine hinterlässt tiefe Wunden in der russischen und ukrainischen Diaspora. Über den Spagat zwischen Schuldzuweisungen und Machtlosigkeit, Propaganda und Hass berichten junge JournalistInnen und Betroffene.

Von Nada El-Azar-Chekh, Collagen: Zoe Opratko

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Collage: Zoe Opratko

An diesem Donnerstag bin ich früh aufgestanden. Mein Mann hatte da Geburtstag und ich wollte die Kerzen anzünden. Das habe ich nicht mehr geschafft, weil ich dann die ganzen Nachrichten auf meinem Handy schon gesehen habe“, erinnert sich Juliana Matusova an den Morgen des 24. Februars. Der Tag, an dem Russlands Raketen in mehrere Städte in der gesamten Ukraine einschlugen, hätte für Juliana eigentlich ganz anders verlaufen sollen. Stattdessen geriet die Welt aus den Fugen. Einen derartigen Großangriff hatte Juliana, trotz der politischen Spannungen der vorangegangenen Wochen, nicht für möglich gehalten. „Ich habe eine Whatsapp-Gruppe mit meinen Freunden in Kyiv. Eine von ihnen schrieb: Der Krieg hat begonnen, ich liebe euch sehr.“

Juliana wirkt bei unserem Gespräch in einem Wiener Café sichtlich mitgenommen von der Situation. Die 32-Jährige kommt ursprünglich aus der Stadt Winnyzja, die etwa 250 Kilometer entfernt von der ukrainischen Hauptstadt entfernt liegt. Seit 2013 lebt sie in Wien und hat nun ihre Mutter und ihre Großmutter aus der Ukraine bei sich aufgenommen. „Seit dem ersten Tag haben sie Heimweh und würden am liebsten wieder zurück.“ Ihr Vater und ihr 25-jähriger Bruder sind in ihrem Haus außerhalb von Kyiv geblieben. Dort ist es im Keller am sichersten. Viele von Julianas Freundinnen haben das Land auch nach über einem Monat der Invasion nicht verlassen. Sie wollen ihr Leben und ihre Familie nicht zurücklassen, erklärt die Ukrainerin.

„Nichts von all dem dürfte passieren!“

„Ich finde es unglaublich, dass dieselben Menschen, die vor acht Jahren schon aus der Ostukraine in größere Städte wie Kyiv und Kharkiv fliehen mussten, jetzt nochmal fliehen müssen“, sagt Juliana, die in Kyiv und Wien Journalismus studiert hat. Seit dem 24. Februar hat sie täglich Kontakt mit ihren Liebsten in der Ukraine, hat an vielen Solidaritätsdemos in Wien teilgenommen und setzt sich bei verschiedenen Projekten vor allem für die Sicherheit von Kindern ein. „Man konnte etwa krebskranke Kinder lange Zeit nicht evakuieren, weil die Fluchtkorridore und die Spezialtransporte nicht funktioniert haben. Einige von ihnen haben im Zug noch weiter Infusionen und andere Behandlungen erhalten. Zwei von ihnen haben die Reise nicht überstanden. Für solche Kinder war es schon vorher schlimm genug“, so Juliana, die selbst Mutter eines kleinen Sohnes ist.

„Wenn zivile Objekte wie ein Theater oder eine Schule angegriffen werden, spricht man von Kriegsverbrechen. Und die Angriffe auf andere Ziele sind kein Verbrechen? Wenn der Flughafen in meiner Stadt bombardiert wird, ist das okay? Aber wenn ein Wohnhaus getroffen wird, dann nicht? Diese Unterscheidung zwischen dem, was nach den Regeln des Kriegs in Ordnung ist und was nicht, finde ich einfach absurd im 21. Jahrhundert. Nichts von all dem dürfte passieren!“, so Juliana. Der Krieg in ihrem Heimatland hat große Auswirkungen auf ihren Alltag.

Juliana Matusova
Juliana Matusova: "Ich versuche so gut wie möglich zu informieren, wenn ich Falschmeldungen sehe." ©Zoe Opratko

Auf Social Media schreibt sie regelmäßig ihre Gedanken zu dem, was in Russland als „Spezialoperation“ bezeichnet wird. „Ich war sonst niemals der Typ dafür, Kommentare bei Facebook und Co. zu schreiben und mit Fremden im Internet zu diskutieren. Aber jetzt versuche ich, so gut wie möglich zu informieren, wenn ich Falschmeldungen sehe.“ Als Beispiel nennt sie das Kinderkrankenhaus in der ostukrainischen Stadt Mariupol, das von russischen Raketen zerstört wurde. Im Internet kursierte das Gerücht, dass es sich bei den Aufnahmen der in Schutt liegenden Geburtsstation um einen Fake handeln würde.  Die Wut über die Geschehnisse ist groß - dementsprechend auch der Hass im Netz. „Kein Kommentar über die Russen ist mir zu krass – auch nicht, wenn Leute schreiben, dass man sie kochen soll. Ist doch klar, warum die Leute gerade so viel Hass haben.“ Dass viel Propaganda um den Krieg in der Ukraine kursiert, ist nicht wunderlich für Juliana. Über das Thema der ukrainischen und russischen Propaganda hat sie schon ihre Masterarbeit verfasst. Schlussendlich habe ihr das ganze Wissen darüber nichts genützt, gibt sie trocken zu. „Ich habe die Situation trotzdem unterschätzt, so wie viele Experten auch.“

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Collage: Zoe Opratko

Der Einfluss der Propaganda auf die Emotionen ist groß

In der letzten Zeit fällt es hingegen Ekaterina Astafeva zunehmend schwer, auf Social Media zu sein. Die russische Journalistin lebt und arbeitet in Köln und hat in den letzten Wochen viel Energie in die Aufklärung über den Krieg in der Ukraine gesteckt. „Ich folge sehr vielen Menschen mit ukrainischen Wurzeln, die extrem negativ über alles Russische schreiben, den Menschen in Russland etwas Böses wünschen oder von unserer Kultur und Literatur absehen wollen.“ Ekaterina ist dabei durchaus bewusst, dass viele Dinge im Affekt geschrieben werden. „Da ist sehr viel Schmerz und Ärger und auch Trauma drinnen, was ich verstehen kann. Meiner mentalen Gesundheit tut es nicht gut, das jeden Tag in so einem Ausmaß zu lesen. Obwohl einige von meinen ukrainischen Freundinnen und Freunden mir explizit gesagt haben, dass sie mich darunter nicht meinen, und dass sie für meine Unterstützung dankbar sind, fällt es mir trotzdem schwer mich davon abzugrenzen. Argumente wie ‚ihr könntet ja einfach zu den Wahlen gehen und einen anderen Präsidenten wählen‘ höre ich im Fall von China oder Nordkorea nicht“, erklärt sie im Zoomgespräch zwischen Wien und Köln. Auf Instagram und ihrem Telegramkanal postete sie Informationen auf Deutsch und Russisch, hilft Menschen, die sich neu in Deutschland orientieren müssen, so gut es geht, und kämpft mit ihren Recherchen gegen Fake-News an.

Ekaterina Astafeva
Ekaterina Astafeva: "Ich verstehe nicht, wie Leute, die mit mir verwandt sind, so eine Ideologie unterstützen können." ©Sonya Yaroshenko

Die gesamte russische Bevölkerung leidet unter immer repressiveren Zensurgesetzen, zudem treffen die durch den Westen verhängten Sanktionen alle russischen Bürgerinnen und Bürger, unabhängig von ihrer tatsächlichen Einstellung zum Präsidenten. Das ist unumstritten. Aber ist es wirklich Putins Krieg, wie viele Medien nach Kriegsausbruch titelten? Juliana Matusova befürwortet die strengen Sanktionen und vertritt eine klare Meinung: „Man muss nicht darüber diskutieren, dass Putin einen sinnlosen Krieg in der Ukraine führt – aber zu sagen, dass er diesen Krieg für sich alleine führt, ist falsch. Die Mehrheit der Russinnen und Russen unterstützen ihn und seine Politik! Es ist nicht nur Putin!“ Die 32-Jährige hat es satt, dass oftmals in der öffentlichen Diskussion um den Krieg die russische Bevölkerung aus der Verantwortung genommen wird. „Die Menschen müssen verstehen, dass, wann immer sie etwas aus Russland konsumieren, sie mit ihrem Steuergeld das Töten in der Ukraine weiterfinanzieren.“

Ekaterina Astafeva ist zwischen den Stühlen. Ihre Familie in Russland unterstützt nämlich Präsident Putin und seine Politik. Darüber hat sie im Deutschlandfunk offen gesprochen. „Ich verstehe nicht, wie Leute, die mit mir verwandt sind, so eine Ideologie unterstützen können.“ Jegliche Versuche der Diskussion und Aufklärung innerhalb ihrer Familie waren gescheitert, was dazu führte, dass Ekaterina den Kontakt auf das Nötigste reduziert hat. Sie erklärt, dass die Propaganda der russischen Staatsmedien ihre volle Wirkung entfaltet, indem sie Einfluss auf die Emotionen in der Bevölkerung nimmt. „Sie verursachen Wut oder Angst und gegen solche Emotionen kann man nicht mit objektiven Argumenten ankommen“, so die 26-Jährige.

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Collage: Zoe Opratko

Verzweifelt, wütend, machtlos

Der Krieg in der Ukraine spaltet die russische Gesellschaft und Diaspora tief. Seit Beginn wurden aberhunderte Demonstranten in den Großstädten Russlands festgenommen, die sich klar mit der Ukraine solidarisieren wollten. Putins Politik hat über die letzten zwanzig Jahre die Meinungsfreiheit mit strengen Zensurgesetzen und Repressionen reglementiert, was nicht nur die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten aus dem In- und Ausland stark einschränkt, sondern auch jegliche Formen von Protest und Kritik in der Bevölkerung verhindern soll. Über die Geschehnisse im Nachbarland Ukraine mit Begriffen wie „Invasion“ und „Krieg“ zu sprechen, kann mit einer Geldstrafe geahndet werden, oder sogar in einer bis zu 15 Jahre langen Haftstrafe enden.

Es häufen sich unzählige Fälle aus Russland, bei denen Demonstranten sogar mit leeren Plakaten auf den Straßen festgenommen werden. „Es wurde beispielsweise ein Mann festgenommen, der ein Schild mit der Aufschrift ‚Der Faschismus kommt nicht durch‘ gehalten hatte“, berichtet Ekaterina. In den Augen der Behörden hat er mit dieser Aktion das neue Gesetz gegen die Diskreditierung der russischen Armee gebrochen. Die angeheizte politische Lage führt im Land ebenfalls zu einer neuen Kultur der Denunziation, die sogar im Kreis der Familie stattfinden kann. „All diejenigen, die kein Geld für die Ausreise haben oder ihre Familien nicht zurücklassen wollen, sind verzweifelt, wütend und fühlen sich machtlos“, so Ekaterina. Diese Gefühle empfindet die 26-Jährige in Bezug auf den Krieg auch. Eigentlich wollte sie diesen Sommer einen Urlaub in Russland machen und ihre Familie besuchen. Doch unter den aktuellen Umständen und unter der aktuellen Regierung will sie nicht in ihr Heimatland zurück. Gerade wegen ihrer kritischen, journalistischen Arbeit in Deutschland ist sie davon überzeugt, in Russland ohnehin nicht gern gesehen zu sein. Die studierte Germanistin absolvierte die deutsche Journalistenschule, ist Producerin beim Format „Reporter“ und schreibt für diverse Medien wie die Süddeutsche und die ZEIT. „Ich kann mir gut vorstellen, dass ich nie wieder ausreisen darf, sollte ich einmal einreisen.“

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Collage: Zoe Opratko

Keine Zukunft mehr in Russland?

Laut unabhängigen Umfragen sollen mindestens zwei Drittel der russischen Bevölkerung hinter Putin und seiner Politik stehen. Für Ekaterina Astafeva hat diese überwältigende Unterstützung weniger mit dem allgemeinen Bildungsstand der Menschen in Russland zu tun, als mit ihrer politischen Bildung. „Die Menschen haben niemals gelernt, sich kritisch mit Politik auseinanderzusetzen. So etwas wird weder an den Schulen in Russland unterrichtet, noch an den Universitäten zugelassen. Auch meine Eltern wissen überhaupt nicht, wie man Fake-News erkennt oder Quellen richtig checkt. Sie verstehen nicht, dass eine Regierung eigentlich die Interessen des Volkes vertreten sollte und nicht umgekehrt.“ Die grundlegenden Ideen einer Demokratie konnten sich historisch in Russland kaum entfalten – nicht im Zarenreich, nicht in der Sowjetunion und auch nicht nach deren Zerfall. Es herrscht eine Art Scheindemokratie, in der die Bevölkerung nicht souverän entscheiden kann, selbst wenn sie es wollte.

Mit diesem schwierigen Muster könnte aber nun die junge Gesellschaft in Russland brechen. „Die meisten, vor allem junge Menschen, sind aufgeklärt, informieren sich über das Internet und haben eine Ahnung, was in der Ukraine tatsächlich los ist. Sie wissen also, dass das Ganze mehr ist als eine auf den Donbas begrenzte ‚Friedensmission‘, wie das in der Staatspropaganda dargestellt wird“, erklärt Paul Krisai. Seit Oktober 2021 leitet der gebürtige Mödlinger das ORF-Büro in Moskau. „Es gibt allerdings auch genug Menschen, die durchaus von der ‚Spezialoperation‘ überzeugt sind und denken, dass Russland hier als Friedenstifter agiert und vor allem der Westen an diesem Krieg schuld ist.“ Die Stimmung in Russland lässt sich schwer zusammenfassen, da sich viele Menschen nicht trauen würden, ihre echte Meinung zu sagen. „Immer mehr Leute kapseln sich von der Politik ab und können nicht wahrhaben, dass ihr Land so großflächig gegen das Nachbarland kämpft und können schwer akzeptieren, dass Russland diese Geschehnisse auch begonnen hat. In der heimischen Propaganda wird das militärische Einschreiten in die Ukraine als Sicherheitsmaßnahme vermittelt“, so der Korrespondent. Auch er kennt in seinem Umfeld viele Menschen, die Russland aufgrund des Krieges verlassen haben. Medienberichten zufolge sind bereits mehr als 200.000 Bürgerinnen und Bürger ausgewandert – viele von ihnen mit guten Qualifikationen. „Alle, die es sich leisten können, talentiert und ausgebildet und vielleicht mehrsprachig sind, haben Russland verlassen, weil sie hier einfach keine Zukunft mehr sehen. Selbst, wenn die Kampfhandlungen morgen aufhören und die Truppen abgezogen werden – die meisten Experten sind sich einig, dass Putin mit dieser Aktion sein Land um Jahrzehnte zurückgeworfen hat“, so Paul Krisai.

Die Grenzen bleiben bislang offen, direkte Verbindungen zwischen Russland und Europa gibt es aber momentan keine. Die Auswanderer weichen deshalb über die Türkei, Dubai oder Kairo aus. Persönlich möchte Paul aber vorerst in Russland bleiben und von dort aus weiterberichten, so gut es geht. „Man gewöhnt sich erstaunlicherweise an Vieles schnell, was nicht bedeutet, dass man die Umstände gutheißt. Wir haben alle ein paar Tage gebraucht, um zu verstehen, wie wir unter den Umständen der Zensur weiterarbeiten können. Wir erhalten einerseits die Arbeit von Moskau aus aufrecht, überlassen aber die Berichterstattung über das militärische Geschehen den Kollegen und Kolleginnen in Wien und der Ukraine. Beim Publikum bleibt so die volle Berichterstattung erhalten“, versichert er.

Paul Krisai
Paul Krisai: "Viele können nicht wahrhaben, dass ihr Land so großflächig gegen das Nachbarland kämpft." ©ORF/Garik Kocharyan

Auf ihrem persönlichen Telegramkanal reflektiert Ekaterina Astafeva in ihrer Muttersprache Russisch auch über Themen wie Kolonialismus und Rassismus, und inwiefern diese Aspekte den Konflikt in der Ukraine beeinflussen. „Es ist nur wenigen Menschen überhaupt bewusst, wie sehr das heutige Russland durch seinen Kolonialismus geprägt ist. Im Geschichtsunterricht in der Schule wurde uns gelehrt, dass das russische Volk heroisch den Völkern in Sibirien Zivilisation und Wissen gebracht hat, und, wie die russische Sprache uns alle eint. Von klein auf lernt man dieses Bild“, so Astafeva. Die Idee, dass das ethnisch russische Volk das einzig „richtige“ ist, hat in ihren Augen die Beleidigung und Diskriminierung von Menschen aus dem Nahen Osten und Zentralasien zur Folge. Aufgewachsen ist Ekaterina in Chelyabinsk, das in der Nähe von Kasachstan liegt. „Ich habe mich lange Zeit nicht gefragt, warum alle Kasachen Russisch sprechen müssen, wenn sie doch ihre eigene Sprache haben. Diese imperialistischen Ansätze finden sich auch in der aktuellen Propaganda der russischen Staatsmedien wieder. Die Ukraine wird nicht als eigenständiger Staat mit eigener Sprache und Kultur gesehen, sondern als Teil der ehemaligen Sowjetunion, am Rande des ehemaligen russischen Reiches. Dass das so nicht stimmt, müssen Leute in Russland leider noch lernen“, erklärt die Journalistin.

Hundekot auf der russischen Fahne

Etwa 11 Millionen Russinnen und Russen haben enge Verwandte in der Ukraine. So auch die in Wien geborene Studentin und Halb-Russin Maria. Die 27-Jährige, die eigentlich anders heißt, hat seit einem Jahr einen ukrainischen Mitbewohner namens Dima. „Als er bei mir eingezogen ist, fand meine russische Mama das noch super, damit ich die Sprache mit ihm besser üben konnte. Wir haben uns gut verstanden“, erinnert sich Maria. Kurz vor dem russischen Großangriff reiste Dima mit seinem Vater nach Ägypten – aus dem Urlaub ging es für die beiden Männer dann direkt in die Wiener WG zurück. Maria verschweigt ihrer Mutter, dass Dimas Vater mit ihm in seinem WG-Zimmer lebt. „Obwohl wir Familie in der Ukraine haben, ist meine Mutter streng dagegen, dass wir Leute bei uns aufnehmen. Obwohl es ein Gästezimmer im Haus meiner Eltern gibt!“, berichtet Maria bei einem Treffen im Wiener Resselpark. Dimas Vater findet das „typisch russisch“ – eine Aussage, die Maria persönlich ein bisschen kränkt. Ihre Cousine, die in Kyiv lebt, hat eine T-Shirt-Aktion gestartet, bei der Geld für die Ukraine gesammelt wird. „Sie hat verschiedene Motive verkauft und mich gebeten, auf meinem Insta-Profil darauf aufmerksam zu machen.“ Eines der Motive war ein Hund, der ein Häufchen auf die russische Fahne legt. „Das mit der Kacke ging mir persönlich zu weit und ich wollte die Aktion nicht mehr unterstützen. Erst, als meine Cousine das Shirt auf der Webseite entfernte, hab‘ ich die Aktion unterstützt. Meine Mutter und meine anderen russischen Verwandten habe ich dafür aber kurzzeitig blockieren müssen.“

Gemeinsam mit Dima und seinem Vater hat Maria auch schon bei einer Ukraine-Demo am Ring teilgenommen. „Die beiden waren überrascht, wie normal und friedlich wir in Wien demonstrieren können. Sie waren anfangs misstrauisch.“ Die Skepsis verflog und schnell grölten die Männer Parolen wie „Tod den Feinden!“ auf Russisch mit. Für Maria ein moralisches Dilemma. „Ich habe mich wirklich nicht wohlgefühlt, dass auf so einer Demo Menschen anderen den Tod wünschen. Ist das nicht genau das, was wir eigentlich beenden wollen? Wie ist das besser, als der Hass auf der anderen Seite?“, wirft sie auf. In diesem Moment tritt eine junge Mutter an uns heran, die in gebrochenem Englisch nach dem Weg fragt. Instinktiv erklärt Maria auf Russisch, dass man zu Fuß am besten ans Ziel kommt. Die Frau atmet erleichtert auf, bedankte sich und zieht ihrer Wege. „Keine Ahnung, ob ich meiner Mutter jemals erzählen werde, dass Dimas Vater bei mir ist. Es ist die Diskussion wahrscheinlich nicht wert.“

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Kommentare

 

Den Russen müsste doch langsam klar werden, dass ihre Regierung viel behauptet, aber ganz wenig leistet. Denn seit Wochen hat sich nicht viel getan, trotz angeblicher grosser Erfolge. Derweil wird der Krieg zu dem was Krieg wirklich ist: Ein Kampf um Ressourcen.
Das heisst für den Westen, dass man weiter hohe Energiepreise und einige Engpässe in Kauf nehmen muss.
Am Ende kann nur die vollständige Rückeroberung der Ukraine stehen. Weil erst dann V. Putin sich seiner Niederlage stellen muss. Er hat schon jetzt fast keine Kraft mehr richtig anzugreifen. Aber solange er nicht geschlagen ist, wird er Terror machen.

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