Ein Stück Ukraine in Wien

09. Januar 2023

Wer sich für ukrainische Kunst interessiert oder mal traditionellen Borsch probieren möchte, ist in Wien besonders gut aufgehoben. Wir stellen euch die beliebtesten Spots und Ausstellung vor, die definitiv einen Besuch wert sind. 

Von: Özben Önal und Maria Lovrić-Anušić

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Foto: Atila Vadoc

Kyiv- statt Kiew-Torte im Café Telegraph 

Wenn man durch die Tür des Lokals geht, trifft man rechts auf eine Wand, die mit Weihnachtssdekoration und Bildern von ukrainischen KünstlerInnen beschmückt ist. Auf einigen dieser Bilder sind Schriften zu Antikriegsparolen zu finden, auf anderen Landschaften und Malereien. Das Café Telegraph im neunten Bezirk ist vor allem bekannt für seine kulinarischen Gaumenschmause. In der Kuchentheke des Cafés sind verschiedene, bunte Kuchensorten aneinandergereiht, darunter auch die Kiew Torte – Eine Spezialität aus der Ukraine. „Früher haben wir die Torte auf Deutsch beschildert, seit Ausbruch des Krieges schreiben wir sie aber auf Ukrainisch aus, also Kyiv Torte“, erzählt uns die Inhaberin des Lokals, Iryna Nikiporchyk - ein Zeichen für Solidarität und ein Versuch heimische Atmosphäre zu schaffen. Das Café war schon immer ein Hotspot für die ukrainische Community, seit Februar dieses Jahres erst recht. „Die Menschen kommen her, weil sie wissen, dass hier ihre Sprache gesprochen wird und sie ein Stück Heimat im Telegraph finden“ erzählt Iryna. Es finden auch immer wieder Events für die Community statt. Von Weihnachtsfeiern für ukrainische Kinder über kulinarische Themenabende, bis hin zu gemeinsamem Musizieren ist alles dabei. „Bei der letzten Veranstaltung zauberte der Sternekoch Herr Klopotenko ein ukrainisches 7-Gänge-Menü“ erfahren wir im Gespräch mit der Besitzerin. Auch in Zukunft sollen ähnliche Veranstaltungen stattfinden, die auf der Facebookseite des Cafés veröffentlicht werden sollen. Die Kunst, Solidaritätsbändchen und Socken können im Café erworben werden – der Erlös geht in die Ukraine. „Wir tun was wir können, aber ich habe das Gefühl, dass es trotzdem nicht ausreicht“, sagt Iryna. „Wir beschweren uns über gestiegene Heizkosten, natürlich auch zurecht, aber die Menschen dort haben aktuell nur 2-3 Stunden Strom am Tag und können zum Teil gar nicht heizen und haben nicht einmal Licht.“ Auch ein Strauch Weizen ist auf der Theke zu finden. „Wir sind genauso stark wie Weizen, er knickt zwar manchmal ein aber steht auch wieder auf“, Iryna erklärt, dass Weizen ein Symbol für Stärke ist. Von Mittwoch bis Sonntag kann im „Telegraph“ gefrühstückt und zu Mittag gegessen werden, nicht nur aus russischer, ukrainischer und osteuropäischer Küche. Auch Pancakes, Falafel und Shakshuka stehen auf der Speisekarte. 

Adresse: Garnisongasse 7, 1090 Wien / Öffnungszeiten: Mittwoch & Sonntag: 10 – 17 Uhr, Donnerstag bis Samstag: 10 – 23 Uhr

 

„Death and the Maiden – der Tod und das Mädchen“ – Eine ukrainische Anlehnung an Egon Schieles Gemälde 

 „Natürlich hätte ich Medikamente spenden oder andere Dinge tun können, aber ich dachte, das Beste was ich tun kann, ist diesen ukrainischen Künstler:innen und Kurator:innen eine Plattform zu bieten“, so Bettina M. Busse, Kuratorin des Kunstforum Wiens. Für sie darf Kunst auch in Zeiten des Krieges nicht hinten angestellt werden. „Death and the Maiden – der Tod und das Mädchen“ heißt die Ausstellung im Tresor des Kunstforums. Die ukrainischen Künstlerinnen Lucy Ivanova, Zhanna Kadyrova, Elena Subach und Anna Zvyagintseva thematisieren mit ihren Werken Gefühle, Erfahrungen und Beobachtungen, die mit dem Krieg in der Ukraine und seinen Folgen einhergehen. Sie behandeln die Zerbrechlichkeit des Körpers, Verbindungen zwischen Leben und Tod, Spannung zwischen Natur und der vom Menschen geschaffenen Welt und die Rolle der Kunst unter lebensbedrohlichen Umständen. Bettina M. Busse erzählt, dass für Ukrainer:innen Kunstausdruck wahnsinnig wichtig ist, um zu zeigen, dass die Ukraine ihre eigene Kulturgeschichte und Kunstentwicklung hat. Diese sei sonst durch die Geschichte der Sowjetunion und auch Russland sehr stark vereinnahmt worden. 

Auch die Themen Erinnerung und Vision spielen bei der Ausstellung eine zentrale Rolle. „Wir entschieden uns vor allem für Künstlerinnen“ sagt die Kuratorin des Kunstforums. „Denn sie sind diejenigen, die aktuell aktiver tätig sind, zum Teil während ihrer Flucht, im Ausland und viele auch mit Kindern – denn die Männer sind leider eher ins Kriegsgeschehen eingebunden“. Zu sehen sind Malereien, Installationen, Film und Fotografie. Die Ausstellung endet am 15.01– Unbedingt anschauen!  

 

Kunstausstellung zu „Animismus“ im 18. Gemeindebezirk

Ab dem 13.01.2023 können alle Kunstinteressierten, Skulpturen und Malereien, sowie Installationen und digitale Projektionen bewundern, die sich mit dem Konzept des Animismus beschäftigen. Bei dem Konzept handelt es sich um die Grundidee, dass alle Elemente der materialistischen Welt – also alle Menschen, Tiere, Objekte, geografischen Merkmale und Naturphänomene – einen Spiritus haben, der sie miteinander verbindet.

Das Office Ukraine. Shelter for Ukrainian Artists bietet seit dem 4.3.2022 ukrainischen Kultur- und Kunstschaffenden Projektmöglichkeiten und unterstützt diese mithilfe der Finanzierung des Bundesministeriums für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport. Darunter auch diese laufende Ausstellung mit zusätzlicher Unterstützung des Vitalny Projects, von ukrainischen, sowie italienischen und serbischen, in Wien wohnenden Künstler:innen. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 20.01. kostenlos im Kunstraum Format(*.strk) in der Währingerstraße 128, 1180 Wien.

„Wir bringen Menschen auch während des Krieges zum Lachen!“

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Foto: Alex Dietrich

„Der echte Stand Up ist ein Spiegel der Gesellschaft“, erklärt der Gründer des Comedy Clubs „Otkrovena“ Dmitri Garmash. Witze über korrupte Politiker sowie über Ihre alte Heimat stehen aus diesem Grund für die Stand Up Comedians des Comedy Clubs auf der Tagesordnung. Das kommt laut Dmitri und seiner Mitbegründerin Nazerke Amirova auch bei ihrem Publikum gut an. Die Zuschauer:innen würden sich nach den Auftritten immer für die lustige und aufgelockerte Stimmung bedanken. „Wir bringen Menschen auch während des Krieges zum Lachen“, erklärt das Duo und genau das ist ihnen am wichtigsten. In solchen Zeiten ist es nämlich wichtig nicht zu schweigen, sondern die sensiblen und schmerzhaften Themen anzusprechen, erklärt Nazerke. Im Fall vom „Otkrovena“ auf eine humoristische und auch selbstironische Art.

Wer sich auch mal eine Show von „Otkrovena“ ansehen möchte, folgt ihnen am besten auf Instagram (@otkrovenastandup) um nichts zu verpassen und informiert zu bleiben!

 

TIPP: Kultur- und Büchereikarten für Ukrainer:innen
Geflüchtete Ukrainer:innen können mit ihrer Karte über den Aufenthaltstitel kostenlos eine Büchereikarte für die Bibliotheken Wiens erhalten. Auch ein Kulturpass kann mit einem Vertriebenenausweis beantragt werden, der Türen zu Ausstellungen, Theater oder Konzerten kostenlos öffnet.

 

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