„Jungs, holt die Pferde raus!“

11. April 2022

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mechanische vs. natürliche Flitzer. Foto: pixabay

Von einem auf zwei Euro pro Liter in gefühlten 0,5 Sekunden. Fast so schnell wie ein neuer BMW M4 es von Null auf 100 schafft. Die Preise für den Sprit schießen durch die Decke und die jüngere Community kommt damit absolut nicht klar.

 

„Bruder, fast zwei Euro pro Liter!“ sagt ein Freund und sieht die Tanksäule erschrocken an. „Scheiß‘ ich Geld, oder was?“ Letzten Freitag war ich mit meinem Freundeskreis im „Millennium“ was trinken. Danach wollten wir noch schnell den Polo einer Freundin volltanken, um eine lustige Gürtelrunde zu drehen. Bei den Sprit-Preisen wurde uns schnell schwindelig. Aus der Gürtelrunde wurde ein Auto-Redbull-Date auf dem Parkplatz neben der Millennium City. „Egal, so können wir eh besser chillen.“, versuchten wir unser Benzin-loses Abenteuer zu rechtfertigen. Kein Wunder, wenn der Sprit 1,98€ kostet!

Die Ölpreise sind momentan auf dem Höchststand seit 2008. Das russische Öl wird aufgrund des Ukraine-Kriegs teurer und die EU verhängt eine Sanktion nach der anderen. Ein Öl-Import-Stopp wird verhandelt. Dieser würde die Preise allerdings noch höher treiben und wäre für Normalo-Menschen kaum mehr leistbar. In meinem Umfeld sind eh schon alle nervös.

 

„Vallah, soviel hab‘ ich noch nie gezahlt!“

Meine Freunde besitzen zum Großteil alle Autos, keine oagen Mercedes oder BMWs, aber auch die kleinen müssen getankt werden. Wir erinnern uns oft an den ersten Corona-Lockdown, bei dem der Sprit schon unter einem Euro war. Wir haben uns gefühlt wie die Könige. Tanken und Rumfahren soviel wie wir wollten, ohne gefühlt eine Niere für einen Trip auf den Kahlenberg verkaufen zu müssen. Meine Freundin Esra zahlt für einen Volltank in ihrem VW Polo mit 80 PS mittlerweile fast 50 Euro. „Vallah, soviel hab‘ ich noch nie gezahlt!“, regt sie sich immer wieder auf. Auch Irena, die jede Woche dreimal Tanken gehen muss, ist genervt. „Ganz ehrlich, die Firma soll mir den Scheiß bezahlen!“, sagt sie wütend.  Sie muss für die Arbeit immer wieder an die Randbezirke Wiens fahren, mit Öffis wäre das erstens umständlich und zweitens sind das Industriegebiete, die keine öffentliche Verkehrsverbindung haben. Umsteigen auf Öffis will von meinen Leuten niemand so wirklich, aber sie regen sich immer darüber auf, wie teuer Autofahren ist.  Meine Pläne, mir ein Auto zu kaufen, habe ich auch erstmal verschoben. Mein Führerschein dient mir fürs Erste einfach als fancy Personalausweis, falls die Verkäuferin in der Trafik mein Alter wissen will. „Ganz ehrlich, die Bim ist eh nicht so schlimm.“ ist mittlerweile das Motto unserer einst autoverrückten Gruppe.

„Wir reiten heute auf den Kahlenberg!“

Die Tuner-Szene macht sich auf TikTok über die momentanen Tankpreise lustig. „Jungs, holt eure Pferde raus, wir reiten heute auf den Kahlenberg.“ Die 300 Pferde werden gegen ein PS eingetauscht. Schlecht schauts aus bei den Gürtel-Posern, die ihr Auto noch nicht abbezahlt haben und deren Leasing-Vertrag noch paar Jahre läuft. Die kommen mit ihrem üblichen zehn Euro tanken nicht mehr wirklich weit. Sie sollten eventuell auf die Öffis umsatteln. 

 
 

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