YOU GIVE ME FEVER

14. April 2021

 

Corona 2021: Wir waren dabei. Dreißig Tage Quarantäne. Wo ist mein Orden?

 

„Nicht mit der Zahnbürste auf die Klobrilleee!“ Ritsch. Ratsch. Mein Dreijähriger übt Revolte. Er mag nicht mehr. Nicht mehr zuhause sitzen. Das muss er nämlich seit vierzehn Tagen als sogenannte K1-Person (Kontaktperson 1). Die britische Mutation des Coronavirus kursierte im Kindergarten und erwischte seine Erzieherin. Zwei Wochen Heimquarantäne für die Kindergartengruppe, so lautet die Verordnung.

KEINER SCHÜTTELT QUARANTINIES…

Und da hocken wir nun aufeinander. Mit einem Säugling im Wachstumsschub, der uns kaum schlafen lässt und einem Kleinkind in der Autonomiephase, dessen stündlichen Wutanfälle unsere Geduld in der Toilette versenkt. Zehn Tage waren geschafft, wir längst durch. Glück gehabt. Ist doch nicht so ansteckend, wie alle propagieren… Das geregelte Leben war bereits in Griffweite und dann kam Tag elf. Fieber, Kopfweh, Halsschmerzen. Schwindel, Schwitzen. Das Essen schmeckt nicht. Zwei Striche für jeden. Und nein, es ist eben nicht wie eine Grippe. Wenn diese deinen Körper niedermäht, verkriechst du dich mit Hühnersuppe und Medikamenten unter die Decke. Es geht dir dreckig, aber jeden Tag ein wenig besser, und dann bist du wieder fit.

…ODER BÄCKT BANANENBROT

Mit Corona ist es wie in einer toxischen Beziehung. Der Virus gibt mir Zuckerbrot und Peitsche. Zuerst katapultiert er mich mit hämmernden Kopfschmerzen ins Bett, schnürt mir den Hals zu. Ich tippe in Gedanken schon die 144. Zwei Stunden später wiege ich schmerzfrei auf dem Balkon das Baby in den Schlaf, genieße die frische Luft. Das Leben in mir keimt wieder auf. Das war also jetzt dieses Corona. Alles wieder vorbei? Am selben Abend zittere ich vor Schmerzen in den Muskeln, jeder Schritt eine Tortur.

WARM SOCKS EVERY DAY KEEPS THE VIRUS AWAY

Und mein Umfeld? Das zeigt sich wenig beeindruckt von meiner Virus-Erkrankung, die grad den halben Planeten bedroht. „Vielleicht, weil du ständig ohne Socken herumläufst? Und du stillst ja noch. Kein Wunder, dass dein Immunsystem so schwach ist.“ Die größte Sorge im Leben von Balkaneltern ist es, dass ihre Kinder niemanden unehelich schwängern oder geschwängert werden. Und ich bekomme auf meine Covid-Erkrankung ein „du rennst halt ohne Socken herum“. Statt Drama und Mitleid gibt’s ein „Weitermachen, Soldat!“ und einen „Vielleicht hilft ja Schnaps? lol“-Witz hinterhergeworfen. Zehn unlustige Tage haben wir noch abzusitzen. Erziehung und Struktur laufen im Notfallbetrieb. Wir gehen konflikttechnisch den geringsten Widerstand und reizen das tägliche Trickfilm-Pensum maximal aus. Schlafenszeit ist dann auch mal um 23 Uhr und Gummibärchen zum Frühstück ist grad null Problemo. Ja, und die Socken, die ziehen wir jetzt auch alle brav an.

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