3 Minuten mit: Toxische Pommes

14. April 2021

Irina, besser bekannt als „toxische Pommes“, schlüpft auf Tiktok humorvoll in die Rollen von Wiener Bobos namens Lorenz oder von hitzigen Balkanmüttern und macht auch vor der Woke- Bubble keinen Halt. Wir trafen die Wienerin mit montenegrinischen Wurzeln ganz privat.

Interview: Nada El-Azar, Foto: Zoe Opratko

 

Toxische Pommes, Irina
Foto: Zoe Opratko

BIBER: Wie kam das Pseudonym „toxische Pommes“ zustande?

IRINA: Nach einer Trennung vergangenes Jahr ging ich auf Tiktok, um mich
aufzuheitern. Ich war in einer toxischen Beziehung und ich liebe Pommes.

Deine Videos bekommen viele Tausend Likes. Gibt es auch negatives Feedback?

Viele Menschen wissen gar nicht, dass ich selber Migrationshintergrund habe, und finden es rassistisch, wenn ich „Jugo“ sage und mich Stereotypen bediene. Aber ich versuche auf humoristische Art Dinge zu verarbeiten, mit denen ich als Kind oft konfrontiert wurde. Es gibt ein Tiktok, in dem ich in der Bim BKS rede und eine Frau umklammert sofort ihre Handtasche fester – so was ist mir in Wiener Neustadt, wo ich aufgewachsen bin, auch wirklich passiert. Ein großes Problem sind auch sexistische Kommentare. Mir schreiben Leute teilweise, dass ich aussehen würde wie ein Mann. Abgesehen davon, dass das ziemlich transphob ist: Wen juckt’s?

Was hast du über dich mit deinen Tiktoks lernen können?

Ich entdeckte diese „Jugo-Seite“ von mir erst jetzt, über die Videos. Die längste Zeit wollte ich die perfekt integrierte Österreicherin sein und hatte in Wiener Neustadt auch immer viele österreichische Freunde. Meine Eltern steckten mich unabsichtlich in eine fancy Schule, wo man Französisch lernt. Dort gab es nicht viele Migrantenkinder. Erst als ich mit 18 nach Wien zog, um Jus zu studieren, begann ich meine Identität zu hinterfragen. Zum Beispiel auch, warum ich mich als Kind geschämt habe eine andere Sprache als Deutsch zu sprechen.

Wie hast du das Aufwachsen in Niederösterreich erlebt?

Meine Familie ist 1992 vor dem Krieg nach Österreich geflüchtet. Mein Vater hat nie so richtig Anschluss gefunden und meine Mutter hat ihr Medizinstudium erst nach fünf Jahren hier anerkennen lassen. Sie sind beide Akademiker, haben aber hier jahrelang geputzt oder auf dem Feld gearbeitet. Als ich klein war, haben meine Eltern auf Straßenkehrer gezeigt und gesagt, dass das ich sein könnte, wenn ich nicht gut in der Schule bin. Zugegeben, schwarze Pädagogik. Das hat mich stark geprägt.

Wurdest du in Wien öfter erkannt?

Ja, manchmal sogar auf Tinder (lacht). Ich war einmal in einem Geschäft auf der MaHü und die Verkäuferin hat mich gefragt, ob ich Tiktoks mache. Als ich „Ja“ sagte, begann sie plötzlich zu heulen. Sie war wahrscheinlich um die 25 Jahre alt - das war merkwürdig. Manchmal wache ich nachts auf und denke mir: Oh Gott, ich werde niemals einen Job finden. Ich habe die Untiefen meiner Persönlichkeit ausgebreitet, mich im Internet geoutet… dabei bin ich im echten Leben eher peinlich berührt in sozialen Situationen.


 

Name: Irina / „Pommes“
Beruf: Juristin
Funfact: Hat Angst vor Hamstern

 

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