3 min mit... Bilal Albeirouti

08. Juli 2021

BIBER: Bilal, du fährst seit zwei Monaten als Bimfahrer die WienerInnen in Ihre Arbeit oder zu ihren Liebsten. Welche Strecke gefällt dir am meisten?

BILAL ALBEIROUTI: Die 2er Linie, weil sie so abwechslungsreich ist. Sie fängt im 16. Bezirk mit dem Brunnenmarkt an. Dann kommt der gutbürgerliche 8. Bezirk, bevor man entlang des Rings fährt und in den jüdisch geprägten 2. Bezirk einbiegt. Schlussendlich landet man am Friedrich-Engels-Platz, direkt an der Donau. 

Du scheinst der syrische Shootingstar in Wien zu sein. Zuerst der „Profil“- Artikel, dann das Video deines neuen Arbeitgebers Wiener Linien. Wie reagieren die Menschen, wenn sie dich auf der Straße sehen? 

Wenn ich mit meiner Frau und unseren zwei Kindern auf der Straße gehe, werden wir immer von jemandem angesprochen. Viele holen sich Rat, wie man Straßenbahnfahrer wird, was man beim Reaktionstest berücksichtigen muss. Eine Facebook-Seite hat den Artikel über mich Wort für Wort 

ins Arabische übersetzt. Zu Eid Al-Fitr (Zuckerfest) bekam ich viele Glückwünsche von unbekannten Menschen. Es ist unglaublich. 

Und deine Familie? 

Mein achtjähriger Sohn Mohammed wurde in der Schule von LehrerInnen und MitschülerInnen auf mich angesprochen. Er ist stolz auf mich, weil ich die Prüfung mit sehr guten Noten abgelegt habe. 

Was reizt dich am meisten an deinem neuen Job?

Du bist der Chef im Zug, ja sogar der Chef der ganzen Straße. (lacht) Hier begrüßen mich Polizisten, in Syrien wollte man der Polizei nur aus dem Weg gehen, weil sie korrupt ist. Die Verantwortung für bis zu 100 Fahrgäste zu tragen, macht mich stolz und zeigt mir aber auch: Ich muss jeden
Tag dazulernen, das erlernte Wissen umsetzen und 1000-prozentig aufmerksam sein, die ganze Zeit. Und ich bin mittlerweile auch körperlich top fit, was für den Fahrtdienst unbedingt notwendig ist. 

Warum? 

Ich hatte mich letztes Jahr vor dem Lockdown beworben und alle Tests bis auf den Gesundheitscheck bestanden. Ich war schlichtweg zu dick. Elf Kilo Gewichtsverlust später wurde ich auf- genommen, musste aber bis zu diesem Jahr warten, weil Corona dazwischen kam. 

Als Bimfahrer wirst du sicher einige Mundartbegriffe gelernt haben. Welcher war der letzte?

Meine KollegInnen sagten immer wieder am Ende des Dienstes „Pfiati“. Zuerst dachte ich mir „Hä, warum ein Viertel?“, bevor ich aus dem Kontext heraus verstanden habe, dass es sich um eine Verabschiedung handeln muss. 

Foto: Zoe Opratko
Foto: Zoe Opratko

Wer ist er?

Name: Bilal Albeirouti


Alter: 40


Geburtsort: Damaskus


Besonderes: Bilal war vor einigen Jahren Teilnehmer des biber-Medientrainings für Geflüchtete.

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